German Biobank Network
Neue Biobank-Plattform vernetzt Forschungsressourcen in Deutschland
2 Min Lesezeit 28. September 2026
In Deutschland stehen bereits umfangreiche und qualitativ hochwertige Bioproben in universitären Biobanken zur Verfügung. Blut- und Gewebeproben sind eine wichtige Grundlage für die medizinische Forschung, etwa um Krankheitsmechanismen besser zu verstehen, neue Therapien zu entwickeln oder die Diagnostik zu verbessern. Bislang sind diese Ressourcen jedoch auf zahlreiche Standorte verteilt. Die neue Biobank-Plattform für Deutschland soll sie künftig besser auffindbar und standortübergreifend nutzbar machen.
Der Aufbau der Plattform ist am 1. Juli 2026 im Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) mit Mitteln des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) gestartet. Damit wird ein zentrales Vorhaben der Biotechnologie-Roadmap der Hightech Agenda Deutschland (HTAD) umgesetzt. Die neue Forschungsinfrastruktur soll einen schnellen, ressourcenschonenden und rechtssicheren Zugang zu den Bioproben und Daten ermöglichen, die Forschende für aktuelle und künftige biomedizinische Forschungsfragen benötigen. So sollen Erkenntnisse aus der Forschung schneller in neue Arzneimittel und Therapien einfließen. Zugleich stärkt die gemeinsame Infrastruktur die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft und kann damit auch Anreize für Investitionen in den Biotech-Standort Deutschland schaffen. Beim Kick-off-Treffen am 22. Juni 2026 in Berlin unterstrich Staatssekretär Dr. Jungk die Bedeutung der Plattform für die Gesundheitsforschung und den Biotech-Standort Deutschland.
„Mit der Etablierung der Biobank-Plattform erreichen wir nicht nur einen bedeutenden Meilenstein der Hightech Agenda. Als Bundesregierung erfüllen wir damit auch einen zentralen Auftrag aus dem Koalitionsvertrag. Denn unser gemeinsames Ziel ist es, die Gesundheitsforschung in Deutschland nachhaltig zu stärken, den verantwortungsvollen Zugang zu Forschungsdaten und biologischen Ressourcen zu verbessern und damit die Voraussetzungen für eine moderne, innovative und patientenorientierte Medizin zu schaffen.“ Staatssekretär Dr. Jungk
Die Besonderheit der Plattform liegt darin, dass die Proben an den jeweiligen Standorten bleiben und keine neue physische Biobank geschaffen wird. Gemeinsame Qualitätsstandards, digitale Schnittstellen und koordinierte Zugangsprozesse sollen sie dennoch überregional auffindbar und nutzbar machen. Die Rechte der Biobanken und ihrer Träger an den Proben bleiben dabei unberührt. Geplant ist ein zentrales Bioproben- und Datenanfrageportal, das in den One-Stop-Shop des NUM eingebettet wird. Forschende sollen dort nicht nur vorhandene Proben anfragen können. Perspektivisch soll auch ein standortübergreifendes „Biobanking on demand“ möglich werden. Benötigt ein Forschungsprojekt bestimmte Proben, könnten diese nach gemeinsam definierten Qualitäts- und Prozessstandards gezielt an mehreren Standorten gewonnen werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Verknüpfung der Bioproben mit klinischen und analytischen Forschungsdaten. Dazu gehören auch molekulare Daten aus Genomik, Transkriptomik oder Proteomik. So sollen Proben und die mit ihnen verbundenen Informationen gemeinsam als umfassende Forschungsressource genutzt werden können. Perspektivisch soll die Plattform über die Universitätsmedizin hinaus erweitert werden. Regionale Biobank-Hubs könnten universitäre Biobanken mit Krankenhäusern, niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie weiteren Einrichtungen der Gesundheitsversorgung verbinden. Damit ließen sich künftig auch Patientengruppen und Versorgungssituationen für die Forschung erschließen, die in akademischen Sammlungen bislang weniger vertreten sind.
Weitere Informationen finden Sie hier: Aufbau der „Biobank-Plattform für Deutschland“ startet | Netzwerk Universitätsmedizin