Hebel für die Fusion
Um die Fusion von der Grundlagenforschung zur Anwendungsreife zu führen, ist nach derzeitigem Stand eine Reihe technologischer Durchbrüche nötig. Darüber hinaus braucht sie aber auch ein abgestimmtes Zusammenspiel von Förderstrukturen, Rechtsrahmen und europäischen Kooperationsinstrumenten, um den Weg zu marktreifen Fusionskraftwerken zu ebnen. Die Hubs des BMFTR bilden dafür das Rückgrat, indem sie Kompetenzen aus Wissenschaft, Industrie und Verwaltung bündeln und den schnellen Austausch von Know‑how, Daten und Prototypen ermöglichen. Der Aufbau von Test‑ und Demonstrationsanlagen, Laboren zur Entwicklung supraleitender Magnete sowie hochpräzisen Diagnostik‑Einrichtungen schafft die physikalische Basis, auf der Konzepte wie Tokamak, Stellarator oder kompakte Fusionseinheiten praktisch erprobt werden können. Durch die gezielte Finanzierung solcher Infrastrukturen wird zudem die regionale Wertschöpfung gestärkt und ein Netzwerk von Fachkräften aufgebaut, das langfristig Innovationskraft generiert.
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Zusammenarbeit in Industrie und Forschung
Die Förderverfahren müssen dabei flexibel und zielgerichtet sein. Industriell geführte Verbundforschung lässt Unternehmen die Projektleitung übernehmen, während Forschungseinrichtungen ihre Expertise einbringen, was praxisnahe Lösungen fördert und die Transferzeit von Labor zu Markt verkürzt. Public‑Private Partnerships (PPP) kombinieren öffentliche Mittel mit privaten Investitionen, stellen Risikokapital bereit und sichern gleichzeitig öffentliche Zielsetzungen wie die Klimaneutralität. Wettbewerbe auf Basis klar definierter Zielvorgaben stimulieren Innovation und sorgen für Transparenz im Mittelvergabeprozess, während ein meilensteinbasiertes Vorgehen die Förderungen an das Erreichen definierter technischer oder wissenschaftlicher Etappen knüpft und so Ressourcen effizient einsetzt. In besonderen Fällen können Forschungskäufe und Unternehmensbeteiligungen, etwa über die SPRIND, gezielt Forschungsergebnisse erwerben oder sich an Start‑ups und Technologieunternehmen beteiligen, um Schlüsseltechnologien schnell in die Anwendung zu überführen.
Ein klarer Rechtsrahmen schafft darüber hinaus Planungssicherheit. Die geplante explizite Erwähnung der Fusion im Strahlenschutzgesetz gibt Investoren die notwendige Rechtssicherheit für deren Investitionssicherheit. Gleichzeitig gewährleistet das Strahlenschutzgesetz den Schutz von Mensch und Umwelt, ohne die Innovationsdynamik zu hemmen.
Auf europäischer Ebene bietet das Instrument IPCEI (Important Projects of Common European Interest) einen leistungsfähigen Hebel, um grenzüberschreitende Forschungs‑ und Entwicklungsprojekte zu finanzieren. Durch die Prüfung und Nutzung von Beteiligungs‑ und Gestaltungsmöglichkeiten im Rahmen von IPCEI können deutsche Akteure Zugang zu zusätzlichen EU‑Mitteln erhalten, die über nationale Förderungen hinausgehen, Synergien mit internationalen Partnern nutzen und so Skaleneffekte sowie Wissensaustausch maximieren. Gemeinsame Standards und technische Schnittstellen, die im Rahmen von IPCEI definiert werden, öffnen langfristig den europäischen Markt für Fusionsenergie.
Insgesamt bildet die Kombination aus gut ausgestatteten Hubs, flexiblen Förderverfahren, einem klaren Rechtsrahmen und der strategischen Einbindung europäischer Förderinstrumente das Fundament, das die Fusionsforschung von der Grundlagen‑ zur Anwendungsphase führt. Durch diese Katalysatoren wird nicht nur die technische Machbarkeit beschleunigt, sondern auch die wirtschaftliche Attraktivität und die gesellschaftliche Akzeptanz einer CO₂‑neutralen, grundlastfähigen Energiequelle nachhaltig gestärkt.