Hebel
Mit dem Anspruch, Deutschland im Bereich Quantentechnologien international in einer Spitzenposition zu etablieren, technologische Souveränität zu sichern und konkrete Anwendungen zu realisieren, wurden gemeinsam Meilensteine in Quantencomputing, Quantensensorik und Quantenkommunikation formuliert. Um diese zu erreichen, müssen zentrale Hebel eingesetzt werden. Nur so lassen sich die Stärken des deutschen Ökosystems strategisch nutzen und bestehende Schwächen systematisch adressieren. Zentrale Themenfelder sind dabei insbesondere Ankerkundenkäufe und Verbundforschungen als Motor für Transfer und Finanzierung, europäische Rahmensetzung und internationale Kooperation, Materialien, Infrastruktur und Enabling Technologies als Souveränitätskern sowie Fachkräfte als durchgehende Voraussetzung für Wertschöpfung in den Quantentechnologien.
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Quantencomputing, Quantensensorik und Quantenkommunikation sind kapitalintensive Deep-Tech-Felder mit langen Entwicklungszyklen und hohem Technologierisiko. Klassische Frühphasenfinanzierung von jungen Unternehmen reicht hier häufig nicht aus. Wir setzen deshalb auf gezielte Unterstützungsmaßnahmen: Ankerkundenkäufe des öffentlichen Sektors als zentrales Finanzierungs- und Skalierungsinstrument für Start-ups und junge Technologieunternehmen. So werden durch den gezielten Erwerb bzw. die gezielte Förderung von Quantenprototypen und -systemen, etwa Quantencomputer in HPC-Zentren oder Anwendungszentren mit Cloudanbindung, Quantensensorik-Demonstratoren in der Medizin oder Teststrecken für Quantenkommunikation, verlässliche Erstumsätze generiert. Dies schafft Referenzen und hebelt private Investitionen.
Parallel wird der Transfer hervorragender Konzepte aus der Wissenschaft in die Industrie durch gemeinschaftliche Forschungsprojekte gefördert, da viele technologische Hürden in Kooperation am besten bewältigt werden können. Hardware, Software und anwendungsbezogenes Know-how werden frühzeitig zusammengeführt, standardisiert und so der Übergang von der akademischen Forschung zu industrieller Wertschöpfung in allen drei Säulen systematisch beschleunigt.
Quantentechnologien sind zudem ein strategisches Feld, in dem Europa im Verbund seiner Mitgliedstaaten technologischen Führungsanspruch, Wertschöpfung und Souveränität anstrebt. Europa kann hier nur zusammen Erfolg haben. Deutschland wird daher eine aktive Rolle bei der Ausgestaltung des EU Quantum Acts und der nachgelagerten Governance-Strukturen einnehmen – sowohl inhaltlich (Prioritäten, Standards, Sicherheitsanforderungen) als auch mit Blick auf die Einbettung deutscher Pilotlinien, Testzentren und Innovationsökosysteme in europäische Programme. Unser Ziel ist es, dass deutsche Stärken im Quantencomputing, in der Sensorik und in der Quantenkommunikation sichtbar verankert werden, unter anderem in Standards zum Quantum Act, und deutsche Akteure frühzeitig Zugang zu europäischen Standardisierungs-, Förder- und Beschaffungsstrukturen erhalten. Ergänzend dazu werden bi- und multilaterale Kooperationen mit ausgewählten Wertepartnern (z. B. Frankreich, Niederlande, Kanada, UK, weitere G7-Staaten) genutzt, um komplementäre Stärken zu bündeln. Gerade in den Quantentechnologien verringern solche Partnerschaften technologische und geopolitische Abhängigkeiten und stärken die Resilienz der gesamten Wertschöpfungskette.
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Die industrielle Stärke Deutschlands bei Hochtechnologien liegt insbesondere in exzellenter Materialforschung, Spezialausrüstung und Enabling Technologies. Für die Quantentechnologien werden wir diese Stärken gezielt ausbauen: Reinräume, Pilotlinien und Testinfrastrukturen für Quantenchips, kryogene Technologie, Vakuumtechnik und Hochpräzisionselektronik werden als infrastrukturelle Basis gefördert und als Plattformen für Forschung und Unternehmen zugänglich gemacht.
Im Zentrum steht die Photonik als Schlüsseltechnologie für Quantencomputing und Quantenkommunikation: Lasersysteme zur Kontrolle von Qubits, photonische Schaltkreise, Detektoren, Quellen und optische Komponenten bilden das Rückgrat vieler Quantenplattformen. Deutschland verfügt hier über eine starke industrielle und wissenschaftliche Basis. Wir werden diese Position durch gezielte Maßnahmen weiter stärken. Ziel ist es, entlang der kritischen Material- und Komponentenketten eigenständige europäische Fähigkeiten auf- und auszubauen, Abhängigkeiten zu reduzieren und deutsche Unternehmen als Zulieferer für globale Quantenmärkte zu positionieren.
Ohne ausreichend qualifizierte Fachkräfte in Physik, Ingenieurwissenschaften, Informatik, Photonik, Materialwissenschaften und Systemintegration kann keine der drei Säulen (Quantencomputing, Quantensensorik, Quantenkommunikation) ihre Potenziale entfalten. Wir legen daher besonderen Wert auf eine durchgängige Fachkräftestrategie, die entlang der gesamten Bildungs- und Erwerbsbiografie ansetzt. Dazu gehören neue Professuren und Lehrstühle für Quantentechnologien, interdisziplinäre Studien- und Weiterbildungsprogramme (z. B. Systemingenieurinnen und -ingenieure für Hard- und Software), Nachwuchsgruppen und Graduiertenprogramme ebenso wie auf Quanten ausgerichtete Berufsqualifikationen in relevanten technischen Berufen. International ausgerichtete Programme und erleichterte Zuwanderungsmöglichkeiten sollen zusätzlich internationale Talente nach Deutschland holen und langfristig binden. Unser Anspruch ist es, Deutschland als einen der attraktivsten Ausbildungs- und Arbeitsorte für Quantenexpertinnen und -experten zu etablieren und gleichzeitig die Kompetenzen in der Breite – bei Anwendern in Industrie, Medizin, Verwaltung und Sicherheitsbehörden – so aufzubauen, dass die entwickelten Quantenlösungen tatsächlich in Produkte, Dienstleistungen und bessere Lebensqualität für die Bevölkerung übersetzt werden.
Normung und Standardisierung als Hebel für Skalierung, Vertrauen und Marktaufbau
Normung und Standardisierung sind ein zentraler Hebel, um Quantentechnologien aus Forschung und Demonstration in verlässliche, anschlussfähige und international wettbewerbsfähige Anwendungen zu überführen. Sie schaffen gemeinsame Begriffe, Schnittstellen, Qualitätsmaßstäbe, Prüf- und Evaluierungsgrundlagen und erleichtern dadurch Interoperabilität, Vergleichbarkeit und Investitionssicherheit. Gerade in einem jungen Technologiefeld wie den Quantentechnologien ist die frühzeitige Mitgestaltung relevanter Standards ein strategischer Faktor für Wertschöpfung, Souveränität und Sichtbarkeit im internationalen Wettbewerb.
Standardisierungspfade sollen daher stärker mit Forschungs-, Transfer- und Skalierungsinstrumenten verzahnt werden. KMU und Start-ups sollen gezielt dabei unterstützt werden, sich frühzeitig an relevanten Normungs- und Standardisierungsvorhaben zu beteiligen. Wo sinnvoll sollen technologiebezogene Roadmaps künftig auch standardisierungsrelevante Entwicklungsbedarfe – etwa bei Terminologien, Schnittstellen, Benchmarks, Sicherheitsprofilen oder Prüfverfahren – systematisch sichtbar machen.