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Geistes- und Sozialwissenschaften
Die Geistes- und Sozialwissenschaften leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen, indem sie historisches wie gegenwartsbezogenes Handlungs- und Orientierungs- und Transformatioswissen generieren und dieses in den gesellschaftlichen und politischen Diskurs einbringen. Besonders relevant ist dies im Umgang mit aktuellen inneren wie äußeren Bedrohungen für demokratische Gesellschaften, etwa durch demokratie- und menschenfeindliche Ideologien und Einstellungen, wie insbesondere Antisemitismus. In Bezug auf die Einführung neuer Technologien gilt es, deren Wirkung auf die Organisation und Leistungsfähigkeit des Sozialstaats von Beginn an zu begleiten, um sozialpolitische Steuerungsbedarfe frühzeitig zu identifizieren und notwendige Maßnahmen ableiten zu können. Gleichzeitig übernehmen die Geistes- und Sozialwissenschaften eine Schlüsselrolle bei der verantwortungsvollen und menschenzentrierten Gestaltung des gesellschaftlichen Umgangs mit neuen Technologien, indem sie die ethischen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen und Chancen von technologischen Innovationen analysieren und dabei auch die Gelingensbedingungen für eine innovationsoffene Gesellschaft in den Blick nehmen. Denn Innovationen in Schlüsseltechnologien müssen immer auch in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung verstanden werden. Es geht u. a. darum, die Veränderungen der Mensch-Maschine-Interaktion zu erfassen und die veränderte Rolle des Menschen in zunehmend automatisierten Entscheidungsprozessen zu erfassen und in ihren Auswirkungen zu verstehen.
Zugleich wirken technologische Entwicklungen auch in die Geistes- und Sozialwissenschaften hinein und verändern diese Disziplinen teils grundlegend. Die digitale Transformation der Geistes- und Sozialwissenschaften hat Fahrt aufgenommen. Nicht nur in den Digital Humanities, sondern in der ganzen disziplinären Breite der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften werden inzwischen mit computergestützten Verfahren neue Methoden und Forschungsfragen vorangetrieben, so z. B. in den Sprachwissenschaften und in der Forschung zum Kulturerbe. In den Sozialwissenschaften können diese Methoden dazu beitragen, soziale Strukturen in neuer Qualität und in neuem Umfang zu analysieren, gesellschaftliche Entwicklungen in neuer Tiefe zu verstehen und gesellschaftliche Trends zu antizipieren. Dafür müssen wir auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften die erforderlichen Datenkompetenzen weiter ausbauen.
Ausgewählte technologiegetriebene Vorhaben
Wir stärken die Geistes- und Sozialwissenschaften in einem neuen Rahmenprogramm, dieses wird im 1. Quartal 2026 veröffentlicht. Das Wissen der Geistes- und Sozialwissenschaften ist die Basis, um die Grundwerte unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft in Zeiten multipler Herausforderungen schützen zu können, die Gesellschaft veränderungsfähig zu halten und die technischen Innovationen (insbesondere Künstliche Intelligenz) zu begleiten und mitgestalten zu können.
Wir fördern gezielt den Ausbau der Datenkompetenzen und Infrastrukturen in den Geistes- und Sozialwissenschaften, damit vorhandene Datenressourcen für neue Forschungsfragen genutzt werden können. Dazu zählt ab 2026 der Aufbau einer Dateninfrastruktur zur Extremismusbekämpfung, ab 2027 die Einrichtung eines Akademienzentrums Digitale Lexikographie und der Aufbau einer europäischen Forschungsdateninfrastruktur zur vergleichenden Demokratieforschung (Medem).
Wir schaffen unter dem Dach des Rahmenprogramms empirische Bildungsforschung neues Wissen als Grundlage für ein zukunftsorientiertes Bildungssystem, das den Menschen die notwendigen Kompetenzen vermittelt, um den gesellschaftlichen Wandel und seine aktuellen und zukünftigen Herausforderungen – wie die digitale und sozial-ökologische Transformation - erfolgreich zu gestalten. Bildung ist ein zentraler Schlüssel, um Forschung und Innovation voranzutreiben und die Entwicklung sowie den verantwortungsvollen Einsatz von Schlüsseltechnologien nachhaltig zu sichern.
Wir stärken das Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft. Wir stellen den Menschen im digitalen Wandel in den Mittelpunkt von Forschung und Innovation und unterstützen die breite Verankerung der Schlüsseltechnologien in der Gesellschaft. Dazu entwickeln wir ein besseres Verständnis ihrer Wechselwirkungen mit sozialen, kulturellen und politischen Strukturen.
Auch weitere erfolgreich etablierte Kompetenzstrukturen sollen gestärkt werden, z. B. der KI- und Daten-Akzelerator „KIDA“ im Agrifood-System.
Wir stärken die Sozialpolitikforschung, indem wir ein Zentrum fördern, das die sozialen Auswirkungen gesellschaftlicher Megatrends sowie die Auswirkungen neuer Technologien auf Arbeit, Gesellschaft und die sozialen Sicherungssysteme begleitet. Es soll einen Beitrag zur Übersetzung dieser Entwicklungen in notwendige sozialstaatliche Anpassungsbedarfe leisten. Auf diese Weise legen wir die wissenschaftlichen Grundlagen für eine nachhaltige, unabhängige und leistungsfähige Weiterentwicklung des Sozialstaates in einer sich verändernden Gesellschaft.